Vorsicht Glukosesirup! Das Glykoproteinsyndrom
Ursache vieler Krankheiten? Eine revolutionäre Theorie über versteckte Auslöser moderner Leiden
Glukosesirup wird wegen seiner milden Süsse und vor allem seiner Klebrigkeit seit 40 Jahren von der Nahrungsmittel-Industrie verwendet. Ob Konfitüre, Schokolade, Joghurt, Eis – es steckt fast überall drin, selbst in Bio-Produkten. Nach den Erkenntnissen von Dr. med. Hartwig Carstensen lässt sich darauf eine Vielzahl moderner Krankheiten von Allergien über Rheuma und Morbus Crohn bis zur Schuppenflechte zurückführen.
Carstensen spricht von einem Glykoproteinsyndrom und verspricht Heilung, sofern der Auslöser gemieden wird.
Kernaussagen des Artikels:
- Glukosesirup wird seit 40 Jahren massiv in der Nahrungsmittelindustrie verwendet
- Das Glykoproteinsyndrom könnte Ursache vieler moderner Krankheiten sein
- Lektine aus Mais und Weizen überlasten das Immunsystem dauerhaft
- Konsequenter Verzicht kann zur Heilung führen – Fallbeispiele belegen dies
Die versteckten Feinde: Lektine und Glykoproteine
Jeder gebildete Laie weiss inzwischen, dass ein irgendwo im Körper befindlicher Eiterherd Gelenkrheuma und Schlimmeres auslösen kann, indem er das Immunsystem zu einer fortdauernden Überaktivität zwingt. Erstaunlich ist, dass es eine Reihe von natürlichen Stoffen gibt, die genau die gleichen Auswirkungen auf das Immunsystem haben können wie ein chronischer Eiterherd.
Was sind Glykoproteine und Lektine?
- Glykoproteine: Eiweisse mit einem Kohlenhydratanteil
- Lektine/Hämagglutinine: Pflanzliche Glykoproteine, die das Immunsystem reizen
- Funktion in Pflanzen: Abwehr von Fressfeinden, eingebaut in Samen
- Wirkung im Körper: Heften sich an rote Blutkörperchen, verklumpen diese
Glukosesirup wird aus roher Mais- und Weizenstärke hergestellt und enthält ein Glykoproteinkonzentrat dieser beiden Körnerarten. Diese pflanzlichen Glykoproteine sind für uns problematisch: Sie reizen das Immunsystem, führen zu Entzündungen und Blutungen.
Das Angriffsziel der Lektine sind die Zuckerbindungsstellen in der Zellmembran vieler Zellen des Immunsystems. Ihre zum Teil erhebliche Giftigkeit beruht auf der Blockade dieser Zuckerbindungsstellen.
Mais und Weizen sind nicht die einzigen Lektinquellen in unserer Ernährung – auch Hülsenfrüchte wie die Sojabohne enthalten nennenswerte Mengen. Eine genauere, separate Betrachtung von Soja und seinen Lektinen findet sich hier: → Soja: Wundernahrung oder Risikofaktor?
Angriff auf die Darmwand
Die Oberflächenmembranen der Dünndarmzellen sind stark mit Zuckern besetzt, so dass die Lektine leicht damit reagieren. Sie setzen sich fest und beeinflussen den Stoffwechsel der Darmzelle dramatisch:
Lektine können den Stoffumsatz und das Zellwachstum so stark beschleunigen, dass die Zellen statt nach 72 Stunden bereits nach 12 Stunden absterben und ausgetauscht werden müssen. So entsteht ein Überhang an unreifen Zellen und die Aufnahmeleistung des Darms für Nahrungsstoffe sinkt.
Lektine, die durch den Schutzwall der Darmwand hindurch in den Blutkreislauf transportiert werden, können das hormonelle Gleichgewicht des Körpers und den Eiweissstoffwechsel tiefgreifend beeinflussen. Diese erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand wird umgangssprachlich oft als «Leaky-Gut-Syndrom» bezeichnet – ein Begriff, der auch im Zusammenhang mit Lektinen aus anderen Quellen wie Soja diskutiert wird.
Mit industrieller Nahrung über die Toleranzschwelle
Solche Glykoproteine (Lektine) sind unvermeidbarer Bestandteil unserer täglichen Nahrung. Sie werden in Mengen von bis zu 300 mg/Tag aufgenommen und stammen im wesentlichen von Hülsenfrüchten, Weizen und Mais. Eine Ernährung, die diese Nahrungspflanzen einbezieht, überschreitet jedoch nicht die Toleranzgrenze.
Ganz anders sieht es aus, wenn man häufiger industriell hergestellte Nahrungsmittel konsumiert, bei deren Herstellung Glukosesirup verwendet wurde. Besonders betroffen sind: 60 Prozent der Konfitüren und Kompotte, 80 Prozent der Pralinen, 80 Prozent der Fertigmüslis, 95 Prozent der Speiseeisprodukte und 99 Prozent der Fruchtgummis und Lakritz – ausserdem findet sich Glukosesirup auch in Joghurt, Desserts, Backwaren und sogar Baby-Nahrung.
Besonders schockierend: Der Zusatz findet sich auch in vielen Baby-Milchersatz-Nahrungen, bevorzugt ausgerechnet in der sogenannten hypoallergenen Anfangsnahrung mehrerer Hersteller.
Gefährliche Konzentration durch Verarbeitung
Beim fermentativen Verzuckerungsprozess von Mais- und Weizenstärke entstehen offensichtlich mit den in der Stärke vorhandenen Eiweissen und der zugefügten Glukose zusätzliche neue Lektine.
Findet weder bei der Herstellung noch bei der Verwendung eine Erhitzung über 100 Grad statt, können erhebliche Mengen an reaktionsfähigen Lektinen in den einzelnen Nahrungsmitteln enthalten sein.
Deswegen sind Speiseeis oder Kokosriegel etwa 70 mal so lektinhaltig wie ein Gebäck, das mit der gleichen Menge an Glukosesirup hergestellt wurde.
50 Prozent der Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind auf Mais und Weizen zurückzuführen. Hinzu kommt die Unverträglichkeit von Kuhmilch mit weiteren 25 Prozent, die aber wahrscheinlich auch dem Kraftfutter Mais zuzuschreiben ist.
Das überlastete Immunsystem
Wenn das Immunsystem nach dem Angriff der Lektine drei bis vier Tage Zeit hat, erholt es sich, und es entstehen vermutlich keine dauerhaften Probleme. Da jedoch nicht nur Genussmittel, sondern auch Nahrungsmittel wie gesüsster Joghurt oder gesüsstes Fertigmüsli mit Glukosesirup belastet sind, wird das lektinfreie Intervall zu kurz.
So können die an sich ungefährlichen kleinen Einzelmengen an Glykoproteinen durch ständige Wiederholung und Langzeitkonsum ihre volle Wirkung entfalten und zu einer krankhaften Daueraktivierung des Immunsystems führen – genau so wie es ein chronischer Entzündungsprozess durch Bakteriengifte tun würde.
Fallbeispiel: Dramatische Heilung
Ein beispielhafter Krankheitsfall kann dies verdeutlichen: Der jetzt 65-jährige Patient war mit 50 Jahren an einer Psoriasis vulgaris erkrankt. Mit 60 brach eine aggressiv verlaufende rheumatoide Arthritis aus, gleichzeitig verschlimmerte sich die Schuppenflechte.
Bei den Nahrungsgewohnheiten fiel ein beinahe täglicher Verzehr von Speiseeis und industriell hergestellter Konfitüre sowie ein nicht ganz so häufiger von Kokosriegeln, Pralinen und Karamell-Nussriegeln auf – allesamt Produkte mit hohem Lektingehalt.
Wegen starker Verschlimmerung der rheumatoiden Arthritis musste die chemische Therapie mit Maximaldosierungen von Kortison und Prostaglandinhemmern als erfolglos angesehen werden. Medikamentenunverträglichkeit veranlasste den Patienten schliesslich, in eigener Regie sämtliche Medikamente abzusetzen und sich konsequent lektinarm unter völliger Vermeidung des Glukosesirups zu ernähren.
Das Ergebnis: Neun Monate später war er von Seiten der rheumatoiden Arthritis beschwerdefrei. Sogar Kapselverdickungen am Kniegelenk bildeten sich zurück. Nach einem Jahr verschwand auch die Psoriasis.
Provokationstests: Zwei Provokationsversuche mit Speiseeis und Kokosriegeln führten jeweils nach 14 Tagen zu hochakuten neuen Schüben der rheumatoiden Arthritis. Die Verschlimmerung der Psoriasis folgte zeitversetzt ein bis zwei Monate später.
Wie entsteht das Glykoproteinsyndrom?
Wir wissen, dass mit Lektinen voll besetzte Schleimhautzellen der Darmwand zu Grunde gehen. Unser Organismus hat sich hieran angepasst. Dies geschieht erst, wenn durch die massive Aufnahme von Glukosesirup die Leistungsfähigkeit dieses Systems ständig überfordert wird.
Dann gelangen die Lektine durch die Darmschranke ins Blut zusammen mit Bakteriengiften aus dem immer stärker mit Fremdbakterien und schliesslich mit Pilzen durchsetzten Darminhalt. Carstensen beschreibt daraus einen Teufelskreis: eine jahrelange Überlastung des Immunsystems führt zu Fehlanpassung und Regulierungsstarre, wodurch die Erkennung körperfremder Eiweisse nicht mehr richtig funktioniert. Es kommt zur Ablagerung von Makroglobulinen im Bindegewebe, gegen die der Körper schliesslich überreagiert – mit Entzündungen in Gelenken, Haut und Organen als Folge.
Die drei Phasen des Glykoproteinsyndroms
Carstensen beschreibt den Verlauf des Glykoproteinsyndroms in drei aufeinanderfolgenden Phasen:
Phase I – Überaktivität des Immunsystems: Allergien, Asthma und Neurodermitis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, sowie eine mögliche Sensibilisierung bereits im Mutterleib.
Phase II – Stumme Antigeneinlagerung (über 10 Jahre): Gelegentliche Gelenkbeschwerden, Hautjucken, Parodontose, Gastritis und Gärungsstuhl, Herzrhythmusstörungen sowie Psoriasis vulgaris.
Phase III – Akuter Ausbruch: Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis vulgaris, Arteriitis temporalis, Enteritis regionalis (Morbus Crohn) und möglicherweise auch Multiple Sklerose.
Was hilft beim Glykoproteinsyndrom?
Das Wichtigste ist eine lebenslange und konsequente Diät. Wer eine natürliche Vollwertkost ohne Fertigprodukte und vor allem Süssigkeiten zu sich nimmt, ist schon auf der sicheren Seite. Man muss sich allerdings immer vor Augen halten, dass ein bis zwei Diätfehler innerhalb einer Woche den erhofften Erfolg völlig ruinieren können.
Zu meiden sind alle Produkte mit Glukosesirup – Vorsicht ist auch bei Bio-Produkten geboten, da dieser dort ebenfalls als Maissirup oder Weizensirup deklariert sein kann. Ein besonderes Problem ist Bienenhonig, da Glukosesirup als Futtermittel zugelassen ist, ohne Deklarationspflicht. Als unbedenkliche Alternativen zu Mais und Weizen gelten Roggen, Dinkel, Grünkern, Reis und Hirse.
Wichtiger Hinweis: Das Absetzen von Rheumamedikamenten wie Diclofenac oder Kortison ist notwendig, da diese die Darmbarriere zerstören und das Problem verstärken. Dies muss jedoch unbedingt mit dem Arzt geklärt werden!
Ergänzende Therapien haben sich bewährt: Fasten, Systemische Enzymtherapie, Magnetfeldtherapie und die Konfliktbewältigung, das Ausschalten von Stressfaktoren.
Heilungsverlauf: Nach Unterbrechung der übermässigen Lektinzufuhr erholt sich das Immunsystem. Es kann zu einer Erstverschlimmerung kommen. Nach drei Monaten sollte die Besserung beginnen und die Beschwerdefreiheit nach sechs bis neun Monaten erreicht sein.
Beeindruckende Erfolgsgeschichten
Die gründlich recherchierten und untersuchten fünf Fälle sind nach sechs bis neun Monaten beschwerdefrei geworden (etwa ein Monat je Jahr der vorherigen Erkrankungsdauer).
Darunter ist ein Fall von schwerster Spondylitis ankylopoetica (Morbus Bechterew), dem nach einem letzten erfolglosen Versuch mit Thorium X-Bestrahlung von seinen Ärzten noch eine Lebensdauer von zwei Jahren prognostiziert wurde. Jetzt hat der Patient nach über zehn Jahren zum zweiten Mal den Atlantik auf seiner Segelyacht überquert.
In einem anderen Fall von dreizehnjähriger schwerer rheumatoider Arthritis musste wegen einer Allergie das Diclofenac abgesetzt werden. Das gelang nur in einem halbjährigen stationären Entzug, da die Patientin schwere Entzugserscheinungen hatte. Heute ist die Frau ohne Medikamente beschwerdefrei.
Dieser Artikel präsentiert die Forschungsergebnisse von Dr. Carstensen zum Glykoproteinsyndrom. Die Theorie ist in der Schulmedizin umstritten und weitere Forschung ist nötig. Therapieänderungen sollten immer mit einem Arzt besprochen werden.
Originalquelle: Dr. med. Hartwig Carstensen – «Vorsicht Glukosesirup! Das Glykoproteinsyndrom», Naturarzt 04/2003